Clean Core ist kein technisches Prinzip – es ist eine Haltung.

Stand: Jänner 2026 · David

In der SAP Clean Core Beratung begegnet man immer wieder dieselbe Fehlannahme: Clean Core sei primär ein technisches Konzept – weniger Custom Code, weniger Modifikationen, mehr Standard. In Wahrheit beginnt Clean Core jedoch weit vor dem ABAP. Es ist ein Ergebnis von Entscheidungsqualität, Governance und systemischer Disziplin.

Clean Core wird häufig zu eng definiert

Viele Unternehmen reduzieren Clean Core auf die Frage: „Wie verhindern wir technische Abweichungen vom SAP-Standard?“

Doch Technik ist nur der Endpunkt. Die wahre Ursache liegt fast immer in Strukturen, Verantwortlichkeiten und der Art, wie Organisationen Anforderungen priorisieren, bewerten und entscheiden.

Clean Core ist daher weniger die Abwesenheit von Code – sondern die Präsenz von klaren, konsistenten Entscheidungen.

Wo Custom Code in Wirklichkeit entsteht

Custom Code entsteht selten, weil SAP etwas „nicht kann“. Deutlich häufiger ist er das Produkt unsynchronisierter Entscheidungen:

Die technische Umsetzung ist lediglich das Symptom. Der Ursprung liegt im organisatorischen Verhalten.

Clean Core beginnt nicht im ABAP – sondern in der Art, wie entschieden wird

„Saubere Systeme sind ein Nebenprodukt sauberer Entscheidungen.“

Selbst die beste Coding-Guideline kann nicht kompensieren, wenn Anforderungen ungefiltert durchgewunken werden oder Verantwortung unklar verteilt ist.

Drei Ebenen bestimmen, ob Clean Core möglich ist

1. Governance als Grundlage

Governance definiert, wer entscheidet – und nach welchen Kriterien. Ohne diese Struktur bleibt Nachhaltigkeit Zufall.

2. Architektur als Leitplanke

Architektur bestimmt, wie ein System sich langfristig verhalten soll. Sie setzt Grenzen und ermöglicht konsistente Entscheidungen über Varianten, Integrationen und Extensions.

3. Disziplin im Tagesgeschäft

Die größten Risiken entstehen im Alltag – dort, wo schnelle Lösungen dauerhaft werden.

SAP Clean Core Prinzipien – und wie sie in der Praxis wirken

SAP beschreibt Clean Core als Prinzipien-Set für agile, upgradefähige Systeme (z. B. in RISE with SAP). Die fünf wichtigsten:

In der Praxis beginnt alles mit Governance, die diese Prinzipien in die Entscheidungsarchitektur integriert – z. B. in S/4HANA-Transformationen.

Warum viele Clean-Core-Initiativen ins Leere laufen

Häufig wird versucht, Clean Core über Code-Reduktion oder restriktive Guidelines zu erzwingen. Das erzeugt auf dem Papier Sauberkeit, aber keine systemische Qualität.

Typische Missverständnisse:

Was Organisationen wirklich brauchen: systemische Qualität

Systemische Qualität bedeutet, dass Entscheidungen konsistent, nachvollziehbar und langfristig tragfähig sind.

Drei Merkmale von Organisationen, die Clean Core leben

1. Verantwortungsarchitektur

Rollenbeschreibungen allein reichen nicht – entscheidend sind gelebte, überprüfbare Verantwortungswege.

2. Kriterien für technische Entscheidungen

Lösungen werden nicht nur danach bewertet, ob sie funktionieren, sondern ob sie systemisch sinnvoll sind.

3. Transparenz über Auswirkungen

Jede Entscheidung wird im Hinblick auf Auswirkungen auf Architektur, Betrieb, Integrationsfähigkeit und Upgrades bewertet.

Die Drei-Wege-Frage: Ein einfacher Clean-Core-Kompass

Vor jeder technischen Entscheidung sollten drei Fragen beantwortet werden:

  1. Welches Problem lösen wir wirklich?
  2. Gibt es eine sinnvolle Fit-to-Standard-Lösung?
  3. Welche langfristigen Konsequenzen hat eine Abweichung?

Fazit: Clean Core ist Zukunftsfähigkeit

Clean Core ist keine technische Maßnahme, sondern eine organisatorische Entscheidung. Unternehmen, die diese Perspektive verstehen, schaffen Systeme, die stabil bleiben, verlässlich wachsen und langfristig steuerbar sind.

Clean Core ist weniger eine technische Richtlinie – und mehr eine Frage der Haltung.

Häufige Fragen (FAQ) zu SAP Clean Core

Was bedeutet Clean Core im SAP-Kontext?

Clean Core bedeutet ein upgradefähiges, standardnahes SAP-System, das durch klare Governance, Architekturleitplanken und gezielte BTP-Erweiterungen stabil gehalten wird.

Wie reduziert man SAP Custom Code nachhaltig?

Durch Entscheidungsarchitektur, Variantenkontrolle, Impact-Assessments und konsequente Nutzung von SAP BTP statt Modifikationen.

Welche Rolle spielt SAP BTP bei Clean Core?

BTP ermöglicht es, Erweiterungen außerhalb des Kerns zu bauen – das wichtigste technische Prinzip von Clean Core.

Wie startet man eine Clean-Core-Initiative?

Mit Governance, einem klaren Architekturzielbild und einer Bewertung des bestehenden Custom Codes (Scope, Risiken, Varianten).

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